Der Laufzettel ist ein erstaunlich haltbares Stück Technik. Er braucht keinen Strom, überlebt Öl und Handschuhe, und jeder in der Fertigung versteht ihn ohne Schulung. Sein Problem fängt erst später an: abends, wenn jemand die Zahlen in Sage 100 nacherfasst.
Zwischen dem, was in der Halle passiert ist, und dem, was in Sage steht, liegen dann ein paar Stunden. Manchmal ein ganzes Wochenende. Solange zeigt die Warenwirtschaft Bestände, die es nicht mehr gibt, und offene Arbeitsgänge, die längst erledigt sind. Wer in dieser Zeit disponiert, plant mit einem Bild von gestern.
Betriebsdatenerfassung dreht die Reihenfolge um: Die Buchung entsteht dort, wo die Arbeit stattfindet. Dieser Artikel zeigt, welche vier Buchungen in der Produktion dafür nötig sind, an welchen Kleinigkeiten sich im Betrieb entscheidet, ob die Scanner nach zwei Wochen noch benutzt werden, und was Sie an Voraussetzungen mitbringen müssen. Die Beispiele stammen aus TC BDE 2026, unserer Scanner-App für Sage 100.
Nacherfassung kostet mehr als die Zeit, die sie dauert
Die doppelte Arbeit ist der offensichtliche Teil. Jede Zeile wird zweimal angefasst, einmal mit dem Kugelschreiber und einmal mit der Tastatur. Dazu kommen die üblichen Übertragungsfehler, eine 6 statt einer 8, eine Zeile verrutscht.
Teurer ist der Zeitversatz. Weist Sage eine Buchung ab, weil der Bestand nicht reicht oder der Auftrag gesperrt ist, erfährt das nicht der Mitarbeiter an der Maschine, sondern zwei Tage später die Kollegin im Büro. Sie muss dann rekonstruieren, was gemeint war. Bei einer chargenpflichtigen Entnahme heißt das: nachfragen, welche Charge auf dem Tisch stand. Viel Erfolg dabei.
Und der Rückstand wächst zuverlässig genau dann, wenn viel zu tun ist. In ruhigen Wochen ist die Nacherfassung abends in zwanzig Minuten erledigt. In der Woche vor dem Liefertermin bleibt sie liegen.
Vier Buchungen, ein Auftrag
Ein Fertigungsauftrag durchläuft in Sage vier Schritte, die den Bestand oder den Auftragsfortschritt verändern. Material wird bereitgestellt, verbraucht, Arbeitszeit fällt an, am Ende ist das Teil fertig. Genau diese vier Schritte bekommt der Scanner, jeder als eigene Maske, jede Buchung sofort nach Sage.
Der Weg eines Fertigungsauftrags
Auf eine Station klicken: was dort gebucht wird, und worauf es dabei ankommt.
Die Reihenfolge ist keine Vorschrift. Wer sein Material ohne Produktionslager führt, überspringt die erste Station. Wer nur den Auftragsfortschritt braucht und den Verbrauch über die Stückliste abbucht, kommt mit Rückmeldung und Fertigmeldung aus. Was ein Gerät nicht braucht, wird im Menü ausgeblendet.

Daneben gibt es zwei Werkzeuge, die nichts buchen. Der Lagerbestand zeigt zu einem gescannten Lagerplatz jeden Artikel, der dort liegt, mit Menge und Mengeneinheit. Ist der Platz leer, steht das ausdrücklich da, statt eine leere Liste zu zeigen. Und Artikel- sowie Lageretiketten lassen sich nachdrucken, ohne dass dabei ein Bestand wandert. Der Drucker hängt dabei am Server, nicht am Scanner.
Die Details, an denen es in der Halle scheitert
Ob eine Scanner-App im Betrieb ankommt, entscheidet sich selten am Funktionsumfang. Es entscheidet sich an Handschuhen, Hallenlärm und einem Akku, der um halb drei schlappmacht.
Man hört, ob es gepasst hat. Ein kurzer Ton heißt erkannt, ein langer tiefer heißt daneben. Wer eine Palette abarbeitet, schaut nicht bei jedem Scan aufs Display. Die Lautstärke lässt sich einstellen, weil eine Schleiferei anders klingt als ein Kommissionierlager.
Alles geht auch von Hand. Auftrag, Artikel und Lagerplatz lassen sich eintippen. Das klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen einem defekten Scanner und einer stehenden Schicht. Beim Anmelden gilt dasselbe: NFC-Karte auflegen oder Mitarbeiterausweis scannen, beides führt zum gleichen Ergebnis.
Wiederholung wird nicht wiederholt. Bei der Entnahme bleibt der Auftrag in der Kopfzeile stehen, nur die Artikelzeile leert sich. Bei der Fertigmeldung bleibt der Mitarbeiter angemeldet, damit mehrere Aufträge hintereinander laufen. Gescannt wird nur, was sich ändert.

Angefangene Arbeit bleibt liegen, aber im guten Sinn. Die erfassten Positionen einer Umbuchung liegen im Gerät. Startet der Scanner mitten im Lagergang neu, führt der Menüpunkt zurück in die Liste und nicht an den Anfang.
Sie sehen, was Sage sagt. Lehnt die Warenwirtschaft eine Buchung ab, steht der Grund auf dem Display. Sofort, an der Maschine, wo sich noch klären lässt, woran es lag.
Wer gebucht hat, steht in Sage
Jeder Scanner meldet sich mit einer eigenen Sage-Kennung an. Mandant, Benutzer und Passwort liegen im Gerät, das Passwort im verschlüsselten Speicher. In der Warenwirtschaft ist damit nachvollziehbar, von welchem Arbeitsplatz eine Buchung kam.
Wichtiger ist, was passiert, wenn die Anmeldedaten nicht stimmen: Die Buchung wird abgewiesen. Die App weicht nicht still auf ein Sammelkonto aus, damit es irgendwie weitergeht. Bleiben die Felder bewusst leer, bucht der AppServer unter seinem eigenen Dienstkonto, und dann ist auch das eine klare Aussage.
Was Sie dafür brauchen
Eine BDE-App ist das Vorderende Ihrer Warenwirtschaft, kein eigenes System. Sie führt keine Schattenbestände und rechnet nichts nach. Drei Dinge müssen vorhanden sein.
- Sage 100 in Version 9.0. Dort landen alle Buchungen, über die Rückmelde- und Lagerengine von Sage. Nicht per direktem Schreibzugriff auf die Datenbank, denn der umgeht sämtliche Folgebuchungen.
- Third-Party-Lizenz von Sage. Sie erlaubt einer Fremdanwendung überhaupt erst den Zugriff auf die Sage-Daten. Diesen Posten übersieht man in der Kalkulation gern, weil er nicht bei uns anfällt, sondern bei Sage.
- Den TC AppServer im Firmennetz. Die App spricht nie direkt mit Sage. Jede Buchung, jede Abfrage und jeder Etikettendruck läuft über ihn. Er ist auch die Stelle, an der der Etikettendruck hängt.
Auf der Geräteseite ist die Auswahl breiter, als viele erwarten. Android ab Version 6.0 genügt, getestet ist die App auf dem Zebra TC21 mit Android 11. Barcodes kommen über DataWedge herein, NFC über die Geräteschnittstelle. Ein robustes Gerät empfehlen wir trotzdem, aber aus Gründen der Haltbarkeit, nicht der Kompatibilität.
Es gibt einen Build für alle Kunden. Welche Module freigeschaltet sind, welche Kundenvariante gilt und wie viele Scanner laufen dürfen, steht in der Lizenzdatei des AppServers. Nach der Installation läuft eine Testphase von 14 Tagen mit vollem Funktionsumfang, und die Fußzeile der App zeigt jederzeit, woran man gerade ist.
Häufige Fragen
Brauche ich für die Betriebsdatenerfassung eine Sonderversion von Sage 100?
Nein. Vorausgesetzt sind Sage 100 in Version 9.0 und eine Third-Party-Lizenz von Sage, die einer Fremdanwendung den Zugriff erlaubt. Die App selbst gibt es als einen Build für alle; Module, Kundenvariante und Gerätezahl stehen in der Lizenzdatei des AppServers.
Funktioniert der Scanner ohne Netz in der Halle?
Gebucht wird online. Der Scanner spricht über WLAN mit dem AppServer im Firmennetz, der die Buchung an Sage weitergibt. Angefangene Umbuchungspositionen liegen allerdings im Gerät und überstehen einen Neustart, so dass eine unterbrochene Erfassung nicht verloren ist. Wo das WLAN in der Halle Lücken hat, klären Sie das besser vor dem Projekt als danach.
Lässt sich nachvollziehen, wer gebucht hat?
Ja. Jeder Scanner bucht unter seiner eigenen Sage-Kennung, das Passwort liegt im verschlüsselten Gerätespeicher. Stimmen die Anmeldedaten nicht, wird die Buchung abgewiesen statt auf ein Sammelkonto umgeleitet. Für die Rückmeldung meldet sich der Mitarbeiter zusätzlich per NFC-Karte oder Ausweis an.
Wie werden chargen- und seriennummernpflichtige Artikel gebucht?
Über das Etikett. Artikel, Charge und Menge stehen zusammen in einem Code, die App füllt die Maske damit in einem Zug und zeigt den Chargenbestand am Lagerplatz. Ohne Etikett lässt sich die Charge auch auswählen, das dauert nur länger.
Was passiert, wenn der Bestand für eine Entnahme nicht reicht?
Die Buchung wird vorher abgewiesen, nicht hinterher korrigiert. Vorgeschlagen wird ohnehin die Sollmenge, gedeckelt auf den verfügbaren Bestand. Wer mehr entnehmen will, als der Auftrag vorsieht, wird gefragt, statt dass die App still darüber hinweggeht.
Welche Geräte werden unterstützt?
Android ab 6.0. Getestet ist die App auf dem Zebra TC21 mit Android 11, Barcodes kommen über DataWedge herein, NFC über die Geräteschnittstelle. Auftrag, Artikel und Lagerplatz lassen sich außerdem eintippen, damit ein defektes Scanmodul nicht die Schicht blockiert.
Worauf es hinausläuft
Der Unterschied zwischen Betriebsdatenerfassung und Nacherfassung ist keine Frage der Technik. Es ist eine Frage des Zeitpunkts. Dieselbe Zahl, acht Stunden früher gebucht, ist eine andere Information wert.
Bevor Sie über Geräte reden, sortieren Sie die Buchungen. Welche der vier Stationen fällt bei Ihnen wirklich an, und wo liegt der Rückstand heute am größten? Oft ist es nur eine davon, und die trägt dann das ganze Projekt. Alles andere kann später dazukommen, ohne dass Sie etwas neu bauen müssen.
Sehen, wie das mit Ihren Aufträgen aussieht?
Wir sind Sage Tech Partner und bauen seit Jahren Scanner-Anwendungen für Sage 100. Im ersten Gespräch klären wir, welche Buchungen bei Ihnen anfallen und was die Voraussetzungen kosten. Danach läuft eine Testphase von 14 Tagen mit vollem Funktionsumfang, mit Ihren Artikeln und Ihren Fertigungsaufträgen.
Gespräch vereinbarenPassend dazu: unsere Android-Apps für Logistik und Produktion, die TC Logistik App und der Beitrag Sage 100 REST API.
Fachliche Verantwortung
Frank Rose, Geschäftsführer der TerraCom GmbH. Zertifizierter KI-Spezialist (TÜV®) und Datenschutzbeauftragter (TÜV®) gemäß DSGVO und BDSG, beides geprüft von der TÜV NORD CERT GmbH. Seit über 25 Jahren baut TerraCom Schnittstellen, ERP-Lösungen und KI-Anwendungen für den Mittelstand.
Fragen zum Beitrag? Schreiben Sie uns.

