Samstagmorgen, sieben Uhr, die Halle ist kalt und der Kaffee noch im Auto. Inventur. Die ersten Gänge laufen gut, dann kommt das Eckregal ganz hinten, dort, wo die Langsamdreher liegen. Der Scanner zeigt noch zwei Balken WLAN, dann einen, dann keinen.
Bei einer App, die für jede Position den Server fragt, ist die Zählung an dieser Stelle vorbei. Man läuft zurück bis zu der Säule, an der das Netz wieder da ist, wartet auf den Drehkringel und versucht es noch einmal. Nach dem dritten Mal zählt jemand doch wieder auf Papier, und abends tippt jemand anderes die Zettel ab.
Dabei ist das Funkloch am Inventurtag kein Betriebsunfall, sondern der Normalfall. Dieser Artikel erklärt, warum eine Inventur-App offline arbeiten sollte, was dafür vorher auf das Gerät muss und woran eine Zählung im Betrieb sonst noch stockt. Die Beispiele stammen aus TC Inventur 2026, unserer Scanner-App für Sage 100.
Das WLAN endet dort, wo die Inventur anfängt
Ein Lager-WLAN wird für den Alltag geplant: für die Wege der Kommissionierer, für die Rampe, für den Packplatz. Das hinterste Eckregal steht auf keiner Ausleuchtungskarte, denn dort geht im Alltag kaum jemand hin.
Die Inventur dreht diese Logik um. Gezählt wird alles, und zwar gerade das, was das ganze Jahr niemand angefasst hat. Die Zählung findet damit planmäßig an den Stellen statt, an denen der Funk am dünnsten ist. Eine App, die für jede Position online sein muss, scheitert dort nicht zufällig, sondern systematisch.
Die Konsequenz daraus ist einfach: Das Netz gehört an den Anfang und an das Ende der Zählung, nicht in jede einzelne Position.
Rüsten, zählen, zurückmelden
TC Inventur 2026 teilt die Inventur deshalb in drei Schritte. Nur der erste und der letzte brauchen eine Verbindung, dazwischen arbeitet das Gerät allein.
Drei Schritte, eine Zählung
Auf einen Schritt klicken: was dabei passiert, und worauf es im Betrieb ankommt.
Das Rüsten dauert je Gerät ein paar Sekunden und lässt sich morgens für alle Scanner nacheinander erledigen. Danach ist das WLAN für die Zählung ohne Bedeutung. Wo es zwischendurch doch da ist, stört es nicht, gebraucht wird es erst wieder bei der Rückmeldung.
Der Buchbestand steht dabei, aber er entscheidet nichts
Beim Zählen zeigt die Maske zum gescannten Artikel auch den Buchbestand aus Sage, so wie er beim Rüsten auf das Gerät gekommen ist. Er ist ein Hinweis, keine Vorgabe. Eingetragen wird, was im Regal liegt, nicht, was das System erwartet.
Man kann darüber streiten, ob der Zähler den Sollwert überhaupt sehen sollte. In der Praxis hat sich der Hinweis bewährt: Wer 200 zählt, wo 20 stehen müssten, merkt sofort, dass er vermutlich in der falschen Mengeneinheit denkt oder am falschen Platz steht. Die Entscheidung, was in der Zeile steht, fällt trotzdem am Regal.
Gespeichert wird jede Position sofort. Geht der Akku mitten im Gang leer, steht nach dem Einschalten alles unverändert da, bis zur letzten gespeicherten Zeile. Auch das gehört zum Zählen ohne Netz: Solange die Zählung nicht zurückgemeldet ist, ist das Gerät der einzige Ort, an dem das Ergebnis existiert. Also darf es dort nicht verloren gehen.
Zählen ohne Zählliste: die freie Artikelaufnahme
Der Normalfall ist die Zählliste aus Sage. Sie wird in der Warenwirtschaft angelegt, die App zeigt alle offenen Listen mit Name, Beleg und Datum, und das Ergebnis meldet sich später auf genau diese Liste zurück.
Daneben gibt es die freie Artikelaufnahme. Sie funktioniert genauso, nur den Namen der Zählung vergeben Sie selbst am Gerät. Das ist der Weg für die Stichprobe zwischendurch, für das neu eingeräumte Regal oder für den Bereich, der beim letzten Mal Differenzen hatte. Wer nicht einmal im Jahr im Großformat zählen will, sondern laufend in kleinen Portionen, hat damit das passende Werkzeug.
Woran eine Zählung sonst noch stockt
Das Etikett ist unleserlich. Ein abgerissenes Lagerplatzetikett stoppt die Zählung genau an diesem Platz. Deshalb druckt die App Etiketten direkt am Gang nach, für Lagerplätze und für Artikel, bei Bedarf mit Charge. Der Drucker hängt dabei am Server, nicht am Scanner.
Vor dem Regal liegt etwas, das dort nicht hingehört. Artikel scannen, und die App zeigt, wo Sage ihn verbucht hat. Umgekehrt zeigt der Scan eines Lagerplatzes, was dort liegen müsste. Beide Auskünfte verändern nichts, sie beantworten nur die zwei Fragen, die während einer Inventur ständig aufkommen.
Der Scanner streikt. Beleg, Artikel und Lagerplatz lassen sich auch von Hand eintippen. Ein zerkratztes Etikett oder ein defektes Scanmodul kostet damit Sekunden statt einer Schicht. Und wer zweihundert Positionen am Tag erfasst, hört am Ton, ob der Scan gepasst hat: kurz heißt erkannt, lang und tief heißt daneben.
Nichts verschwindet von selbst
Am Ende geht die Zählung gesammelt an den Server und von dort auf die Zählliste in Sage. Vorher lässt sich alles noch einmal durchsehen: das Neueste steht oben, mit Artikel, Menge, Lagerplatz und Uhrzeit. Einzelne Zeilen lassen sich nach Rückfrage verwerfen, wenn sich jemand vertan hat.
Die App meldet, wie viele Positionen angekommen sind, und fragt erst dann, ob sie das Gerät leeren darf. Kommt die Rückmeldung nicht durch, bleibt die Zählung auf dem Gerät liegen. Gelöscht wird erst, wenn Sie es sagen, nicht, wenn ein Zeitlimit es entscheidet.
Angemeldet ist jeder Scanner mit einer eigenen Sage-Kennung, das Passwort liegt im verschlüsselten Gerätespeicher. In Sage ist damit nachvollziehbar, von welchem Gerät eine Zählung kam. Stimmen die Zugangsdaten nicht, wird abgewiesen; bleiben die Felder absichtlich leer, bucht der AppServer unter seinem eigenen Dienstkonto, und auch das ist eine eindeutige Spur.
Was Sie dafür brauchen
TC Inventur 2026 ist das Vorderende Ihrer Warenwirtschaft, kein eigenes Inventursystem. Die Bewertung, die Differenzen und der Abschluss bleiben in Sage. Drei Dinge müssen vorhanden sein.
- Sage 100 in Version 9.0. Dort werden die Zähllisten angelegt, dort kommen die Ergebnisse an, und dort läuft die Inventur zu Ende, mit denselben Belegen wie bei einer Erfassung am PC.
- Third-Party-Lizenz von Sage. Ohne sie darf keine Fremdanwendung auf die Sage-Daten zugreifen. Der Posten fällt nicht bei uns an, sondern bei Sage, und gehört trotzdem von Anfang an in die Kalkulation.
- Den TC AppServer im Firmennetz. Die App spricht nie direkt mit Sage. Das Rüsten, die Rückmeldung und der Etikettendruck laufen über ihn.
Auf der Geräteseite reicht Android ab Version 6.0, getestet ist die App auf dem Zebra TC21 mit Android 11. Barcodes kommen über DataWedge herein, gelesen werden Artikelnummer und EAN. Es gibt einen Build für alle Kunden; welche Module freigeschaltet sind und wie viele Scanner laufen dürfen, steht in der Lizenzdatei des AppServers. Nach der Installation läuft eine Testphase von 14 Tagen mit vollem Funktionsumfang.
Häufige Fragen
Funktioniert die Inventur wirklich ohne WLAN im Lager?
Die Zählung selbst ja. Eine Verbindung braucht nur das Rüsten am Anfang, wenn Artikelstamm, Lagerplätze und Zählliste auf das Gerät kommen, und die Rückmeldung am Ende. Dazwischen arbeitet der Scanner vollständig offline, auch im tiefsten Funkloch.
Was passiert, wenn der Akku mitten in der Zählung leer geht?
Nichts geht verloren. Jede Position wird sofort auf dem Gerät gespeichert. Nach dem Einschalten steht die Zählung unverändert da, bis zur letzten gespeicherten Zeile, und es geht an derselben Stelle weiter.
Kann ich zählen, ohne vorher in Sage eine Zählliste anzulegen?
Ja, mit der freien Artikelaufnahme. Sie vergeben am Gerät selbst einen Namen für die Zählung und legen los, alles Weitere läuft wie bei der Zählliste. Das eignet sich für Stichproben, ein neu eingerichtetes Regal oder die laufende Inventur in kleinen Portionen.
Sieht der Zähler beim Zählen den Sollbestand?
Ja, der Buchbestand aus Sage steht in der Maske dabei, als Hinweis und nicht als Vorgabe. Grobe Ausreißer fallen damit sofort auf, eingetragen wird trotzdem die tatsächlich gezählte Menge.
Wie kommen die Ergebnisse in Sage 100 an?
Gesammelt über den TC AppServer im Firmennetz, zurück auf die Zählliste. Die App meldet, wie viele Positionen angekommen sind, und erst nach dieser Bestätigung darf das Gerät geleert werden. Kommt die Rückmeldung nicht durch, bleibt alles auf dem Scanner liegen.
Brauche ich eine Sonderversion von Sage 100 oder der App?
Nein. Vorausgesetzt sind Sage 100 in Version 9.0 und eine Third-Party-Lizenz von Sage, die einer Fremdanwendung den Zugriff erlaubt. Die App gibt es als einen Build für alle; Module, Kundenvariante und Gerätezahl stehen in der Lizenzdatei des AppServers.
Worauf es hinausläuft
Ob eine Inventur-App im Betrieb durchhält, entscheidet sich nicht an der schönsten Maske, sondern an der Frage, was passiert, wenn etwas fehlt: das Netz, der Akku, das Etikett. Eine Zählung, die offline läuft, jede Zeile sofort speichert und nichts ungefragt löscht, nimmt genau die Ausfälle vorweg, die am Inventurtag sicher kommen.
Und wer nicht bis zum Stichtag warten will, macht mit der freien Artikelaufnahme aus der Inventur eine Gewohnheit in kleinen Portionen. Regal für Regal, immer dann, wenn gerade Zeit ist. Am Stichtag selbst bleibt dann deutlich weniger zu zählen übrig.
Wie läuft Ihre nächste Inventur?
Wir sind Sage Tech Partner und bauen seit Jahren Scanner-Anwendungen für Sage 100. Im ersten Gespräch schauen wir uns an, wie Sie heute zählen und an welcher Stelle es stockt. Danach läuft eine Testphase von 14 Tagen mit vollem Funktionsumfang, mit Ihren Artikeln und Ihren Lagerplätzen.
Gespräch vereinbarenPassend dazu: unsere Android-Apps für Logistik und Produktion, die TC Inventur App und der Beitrag Lagerlogistik für Sage 100.
Fachliche Verantwortung
Frank Rose, Geschäftsführer der TerraCom GmbH. Zertifizierter KI-Spezialist (TÜV®) und Datenschutzbeauftragter (TÜV®) gemäß DSGVO und BDSG, beides geprüft von der TÜV NORD CERT GmbH. Seit über 25 Jahren baut TerraCom Schnittstellen, ERP-Lösungen und KI-Anwendungen für den Mittelstand.
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